Eine kleine Geschichte von Erwin Klaas.

Meine Erfahrungen bei der Bundeswehr



Ach was haben die sich alle gefreut, als ich vor ca. 40 Jahren in die Kaserne gekommen bin. Die Leute hatten eine schreckliche Angst vor mir. Drei Mann mit Gewehr habe mich empfangen und ins Büro begleitet. Da habe ich mich dem Betriebsführer vorgestellt. Wie er mich gesehen hat, sagte er zu mir, auf mich hätte er schon lange gewartet.

"Ei, habe ich gesagt, " hättest du mir einmal geschrieben, dann wäre ich einen Zug früher gekommen"

Dann bin ich untersucht worden. Zuerst mußte ich zum Unterarzt, der hat meinen Unterleib untersucht. Dann mußte ich zum Oberarzt, der hat meinen Oberleib untersucht. Dann mußte ich zum Stabsarzt.......
der hat mir gesagt, ich solle einmal meinen linken Fuß frei machen, darauf war ich nicht vorbereitet. Als den Strumpf auszog, da ist dem Doktor ganz schwarz vor den Augen geworden. Er wollte mit mir wetten, daß wäre der dreckigste Fuß, den er in seinem Leben gesehen hätte.
Da habe ich zu ihm gesagt: "Herr Doktor, wenn ich ihnen meinen rechten Fuß zeige, habe sie ihre Wette verloren."

Er hat dann seinen Hilfsarbeiter fortgeschickt, der sollte eine Schüssel mit Wasser holen. Dann hat er mich gefragt, ob ich wüßte, was das zu bedeuten hätte? Darauf habe ich ihm geantwortet "Jawohl, ich bin hier falsch ich soll zur Marine"

...Dann haben die mir mein Zimmer gezeigt. Als ich morgens aus dem Fenster geschaut habe, haben meine Kameraden schon alle auf dem Bauch gelegen. Einer hat zu mir heraufgerufen, ob ich nicht mal herunter kommen wollte? Ich wollte nicht, da haben die mich sogar abgeholt.Wir sind dann alle eingekleidet worden. Ich habe den Garderobenvorsteher gefragt, was ich denn mit den vielen Taschentüchern solle? Da sagte der mir, das seien Fußlappen. Ich habe aber keine gebraucht, meine Unterhosen waren so lang, das ich diese noch um die Füße wickeln konnte.
Als ich über den Hof ging, brüllte mich jemand an, warum ich ihn nicht gegrüßt hätte? "Ei" habe ich geantwortet, "Ich kenne dich doch gar nicht." "Da sagt der:" Wissen sie nicht, das ich ihr Vorgesetzter bin?"
Nun aber landsam mit dem Vorgesetzten, ich weiß noch überhaupt nicht ob ich hier bleibe." Am nächsten Tag ist mir dieser Dreistern wieder begegnet und ich habe ihn wieder nicht gegrüßt. Da kommt der ganz kameradschaftlich zu mir und fragt mich "Warum hast du denn schon wieder nicht gegrüßt mein Sohn? "Ich habe gemeint, du wärest mir noch böse von gestern, Vater."

Jeden Tag hatten wir Unterricht. Fragt mich der Unteroffizier:"Warum darf der Soldat vor dem Kampf den Kopf nicht verlieren?"
Ich habe ihm geantwortet:"Sonst weiß er nicht mehr, wo er der Stahlhelm hinsetzen soll."
Alles herhören! schreit der Spieß immer, wenn er uns seinen Mist beibringen will.
Eine schneidige Uniform war immer schon mein Wunsch. Schon als ganz kleiner Bub wollte ich daher zu den Soldaten. Mein Vater fragte mich einmal:"Und was machst Du, wenn es Krieg gibt?" Dann nehme ich einfach Urlaub, war meine Antwort.
Jetzt hatte ich das erforderliche Alter und die nötige Schuh und Körpergröße, die nach Heeresdiensvorschrift 08/15 vorgeschrieben sind. Meine Kariere ist sicherlich einmalig, nach zehn Jahren war ich schon Gefreiter. Einmal fragte mich der Spieß:"Sie sind doch ein Freiwilliger?"Ja sagte ich, woher wissen sie das? Das sehe ich an ihrem blöden Gesicht, sagte der Spieß. Ich schaue mir den Kerl genauer an und sagte ihm:"Kamerad Spieß, ich glaube sie sind auch ein Freiwilliger." Als ich danach meine drei Tage Bau hinter mich gebracht hatte, ging es in die Instruktionsstunde. Da fragte mich der Ausbilder:"Was ist ein Gewehr?"Ich antwortete ihm:>Ein Gewehr ist ein Instrument, mit dem man nur im Ernstfall spielen darf.> So und aus wievielen Teilen besteht ein Gewehr? wollte er wissen.>Ein Gewehr besteht aus zwei Teilen:dem Schaft aus Holz zum Halten und den Lauf aus Metall zum Putzen. Der Spieß wollte noch mehr von mir wissen und fragte weiter:Was ist ein Gewehrlauf? Ich antwortete: Kamerad Spieß, ein Gewehrlauf ist ein langes Loch, um das Eisen gewickelt ist: Und wie funktioniert so ein Gewehr? Ein Gewehr funktioniert so: Wenn man hinten drückt, kommt vorne etwas raus. Sie Idiot schreit er mich an, ich glaube er war mir Böse.

Sagen Sie mir mal, wie ein Gewehr gereinigt wird? Ich ziehe mich nackt aus, dann gehe ich mit meinem Gewehr ins Bad und lasse die Wanne voll laufen, dann wird das Gewehr ganz zart mit einem weichen Schwamm abgewaschen und dann sorgfältig mit einem weichem Handtuch frottiert! „Sind Sie übergeschnappt?“ Wie kommen Sie auf so einer blöden Idee? << schnauzte mich der Spieß an>>. Aber Kamerad Spieß, Sie haben mir doch selbst gesagt: Das Gewehr ist die Braut des Soldaten, meine Braut reinige ich auch so. Sind Sie verheiratet? Fragte der Spieß mich. Ja, antwortete ich. Mit wem?. Mit einer Frau antwortete ich. >> Sie Rindvieh, man ist immer mit einer Frau verheiratet, brüllte mich der Spieß an, dass stimmt nicht, widersprach ich, meine Schwester ist mit einem Mann verheiratet.

Ich muss noch einmal von meiner Musterung erzählen, habe ich eingangs ganz vergessen, ist aber sehr wichtig.
Der Arzt, der mich damals untersuchte, war eine ganz besondere Type. Mit mir wurde einer gemustert, der war stumm. Da sagte der Musterungsarzt:> legen Sie mal ihren Daumen auf den Tisch. < dann schlug er mit dem Holzhammer auf des Daumen. Der junge Mann schrie:< Aaaa! < Da sagte der Arzt:>Tauglich-----und morgen über wir den Buchstaben –B-.
Als ich an die Reihe kam sagte ich, ich könne nicht gut sehen, er schrieb mich aber tauglich.
Abends ging ich mit meinem Freund ins Kino. Plötzlich sah ich, dass neben mir der Musterungsarzt saß. Ich schaltete sofort und fragte ihn:> Gnädige Frau, sitze ich hier richtig im Buß nach Hause?
Als ich eingezogen war, ging’s einmal zum schießen. Ich will ehrlich sein! Wenn ich die Pistole geworfen hätte, hätte ich besser getroffen.
Als wir uns so in Reih’ und Glied auf dem Übungsplatz aufgestellt hatten, kommt so ein kleiner Steppke auf mich zu und brüllt mich an: Wie heißen Sie? Ich sagte ihn meinen Namen und fragte zurück: Und wie heißen Sie? < >Schnauze, sagte er. Da antwortete ich: >Auch ein schöner Name. <
Plötzlich kam ein wilder Bulle auf uns zu. Alle Mann sprangen in Deckung, nur ich blieb stehen. Als alles vorbei war kam der Spieß auf mich zu und sagte:> Sie haben Haltung bewiesen, ich bin Stolz auf Sie, Sie sind ein Vorbild für die ganze müde Truppe, haben Sie einen Wunsch? Jawohl, ich brauche unbedingt frische Unterhosen.
Da kam plötzlich der Herr Oberst vorbei. Da dieser unseren Spieß gut kannte, sagte er: Guten Morgen! Ich meinte, der Herr Oberst hatte uns Soldaten gemeint und schrie ganz laut: Guten Morgen, Herr Oberst! Als der Herr Oberst vorbei war, brüllte der Spieß: Welcher Idiot war das? Da brüllte die ganze Kompanie, als sei es abgesprochen: Der Herr Oberst!

Nachdem wir einige Übungen absolviert hatten schrie der Spieß: In einer Minute steht alles feldmarschmäßig auf dem Kasernenhof: Verstanden?
Ich meldete mich und fragte ihn: Dürfen wir, wenn wir Lust haben auch etwas eher kommen?
Dann musste ich austreten. Zufällig war auch der Spieß mit mir auf der Toilette.
Ich grinste ihn frech an, schaute mir sein Penis an und sagte: Endlich mal ein Ort, wo Sie den Kürzeren ziehen.
Kaum war ich wieder angetreten, kam der Herr Oberst mit einer jungen Dame die schwanger war. Er sagte zu der Dame: Hier ist die ganze Kompanie angetreten. Schaue sie einmal, wer der Kindesvater sein könnte. Die Dame schritt die Kompanie ab. Dann deutete Sie auf mich und meine beiden Nachbarn. Was, diese drei, stotterte der Oberst, kommen in Frage? Nein, sagte die junge Dame, diese drei scheiden aus.
Plötzlich sah der Oberst einen mit langen Haaren und schnauzte ihn an: Ihre Haare hätten aber schon seit längerer Zeit geschnitten werden müssen. Da sagte dieser: Herr Oberst meine Haare sind vor längerer Zeit geschnitten worden.
Ich wurde das Gefühl nicht los, das der Oberst mich nicht mochte, er sah mich an und meinte! Sie haben eine stramme Haltung, kommen Sie aus einer Familie die schon immer gedient hat? Jawohl Herr Oberst! Das merkt man, hat denn in Ihrer Familie schon jemand eine Auszeichnung bekommen? Ja Herr Oberst, mein Vater.
So, für was denn? wollte er von mir wissen. Da antwortete ich: Er war der zweihundertste Besucher auf einer Kaninchenschau.

Die drei Monate waren um. Jetzt ging es darum, ob ich bei der Bundeswehr bleiben mußte oder nicht. Ich hatte die Schnauze voll und musste einen Weg finden, wieder nach Hause zu kommen. Der Stabsarzt untersuchte mich noch einmal: Mich brauchen Sie nicht untersuchen, ich bin völlig gesund und voll tauglich. Der Stabsarzt lächelte und meinte: Das haben wir gleich. Da sagte ich zu ihm: Und wenn ich mir beim Holzhacken die Hand abhacken würde, könnte ich immer noch mit der rechten Hand meinem Vaterland dienen. Der Stabsarzt zog seine Augenbrauen hoch: Jetzt ziehen sie sich erst mal aus. Herr Stabsarzt, mich brauchen Sie nicht zu untersuchen. Und wenn ich mir einen Fuß abhacken würde, es gibt ja gute Prothesen und ich könnte meinem Vaterland dienen. Dem Stabsarzt riss die Geduld: Hören sie auf mit diesem Blödsinn, Sie sind ja verrückt! Da sagte ich zu ihm: Bitte, können Sie mir das schriftlich geben?
Zu dem Soldaten neben mir sagte der Stabsarzt: Bücken Sie sich! Dann sagte er: Tauglich. Da drehte sich dieser um und meinte: Das hätten Sie mir auch ins Gesicht sagen können!
Ich kehrte in meinem Beruf zurück und verfasste nebenbei Gedichte, wie z.B. dieses:

Nicht ärgern ist ne Kunst im Leben, wenn ohne Aussicht ist dein Streben. Wenn Dein Hoffen auf den Hund gekommen, weil nicht gelingt, was Du Dir vorgenommen, und über Dich die Nachbarn lachen--- nicht ärgern, kannst doch nicht machen.

Falls einer sagt, ganz ohne Grund, Du bist ein großer Schweinehund, ein anderer wieder, natürlich unbegründet, in Dir nur lauter Fehler findet: Schluck den Kloß in Deinen Rachen---- nicht ärgern, kannst doch nichts machen.

Bist mit der Politik Du unzufrieden, die reden doch nur lauter Lügen, die Versprechungen werden immer blöder, vom Bundeskanzler, diesem Schröder, palavert rum wie tausend Affen--- nicht ärgern, kannst doch nichts machen.

Es ist verkehrt in dieser Welt, immer kommt es anders als man denkt, Tante Emma muss allein sich quälen, sie soll den Schröder auch noch wählen, soll Steuern zahlen, muss berappen------ nicht ärgern, kannst doch nichts machen.

Ich hoffe meine Geschichte hat ein wenig zur allgemeinen Belustigung beigetragen, wünsche allen Kameraden…täglich einen guten Grund zu einer positiven Lebenseinstellung.

Erwin Klaas